Kredite für Selbstständige ohne Sicherheiten

Für Selbstständige, die nicht über Sicherheiten verfügen, ist es sehr schwer, einen Kredit zu bekommen. Das soll aber nicht heißen, dass es unmöglich ist. Als Selbstständiger kann man einen Kredit für verschiedene Zwecke verwenden. Häufig nehmen Selbstständige einen Kredit auf, um dieses Geld als Eigenkapital in das Unternehmen zu stecken. Je nach Geschäftslage kann man mit diesem Kredit expandieren oder aber das Unternehmen restaurieren. Bei einer Kreditanfrage sollte man gut vorbereitet sein, ohne ein gutes Konzept ist es nicht leicht die Bank zu überzeugen. Für private Zwecke wird es noch schwerer die Bank zu überzeugen, da man häufig nicht in Wertanlagen investiert, sondern in Autos oder einen Urlaub.

Was sind Sicherheiten?

Unter Sicherheiten versteht man Vermögensgegenstände, die der Antragssteller besitzt. Bei Banken sind Immobilien die beliebtesten Sicherheiten, da diese nur sehr selten an Wert verlieren. Im Gegensatz zu Aktien sind Immobilen als sehr sicher angesehen und deswegen bei Banken so beliebt. Gold, andere Rohstoffe oder Aktien werden auch als Sicherheiten angesehen, allerdings schwanken diese mehr im Wert.

Wie bekommt man als Selbstständiger ohne Sicherheiten einen Kredit?

Es gibt einige wenige Regeln auf die man achten sollte, wenn man als Selbstständiger ohne Sicherheiten einen Kredit beantragen möchte. Als erstes sollte man ein plausibles Konzept erstellen. Damit kann man das Kreditinstitut überzeugen, selbst wenn man keine Sicherheiten hat. Dieses Konzept sollte sehr detailliert sein und der Bank zeigen, wie man das Geld investieren will.

Hinweis:
Besonders wichtig ist hierbei, dass man aufzeigt, wie lohnend die Investition ist. Wenn man dem Kreditinstitut verdeutlichen kann, dass man mit der Kreditsumme einen Mehrwert schafft, ist die Bank dazu geneigt, einen Kredit auch ohne Sicherheiten zu vergeben.

Außerdem kann es sehr hilfreich sein, wenn das eigene Unternehmen bereits etabliert ist. Ab drei Jahren sehen die meisten Finanzfachleute ein Unternehmen als etabliert an. Nach dieser Zeit haben Unternehmen in der Regel ein festes Standbein und sind nicht mehr so leicht aus dem Tritt zu bekommen. Natürlich gilt, je älter und angesehener das Unternehmen, desto weniger Sicherheiten benötigt man.

Info:
Als Besitzer eines etablierten Unternehmens kann man jahrelange positive Zahlen vorweisen und die Bank kann davon ausgehen, dass das eigene Unternehmen auch in Zukunft schwarze Zahlen schreiben wird.

Alternativen prüfen

Wenn man trotz eines guten Geschäftskonzeptes und einer langjährigen Erfahrung keinen Kredit gewährt bekommt, sollte man auf jeden Fall noch bei anderen Banken anfragen. Häufig haben verschieden Kreditinstitute auch verschiedene Blickwinkel auf die Sachlage. Vielleicht findet eine Bank das Geschäftskonzept überzeugend, eine andere aber nicht. Dadurch kann es zu verschiedenen Endurteilen kommen. Besonders bei einer kleinen Kreditsumme gibt es noch Alternativen neben Kreditinstituten. Private Investoren, die eigene Familie oder Freunde können einem helfen, etwas Geld zu bekommen.

Hinweis:
Allerdings sollte man dabei aufpassen, weil Geld Freundschaften auf die Probe stellen kann. Bevor man sich einen Kredit von Privatleuten geben lässt, muss man einen Vertrag aufsetzen, der von Fachleuten notiert wird. In Begleitung von einem Notar kann man ganz legal einen Kreditvertrag mit Privatleuten abschließen. Diese drücken häufiger ein Auge zu, wenn man als Selbstständiger keine Sicherheiten besitzt.

Welche Sicherheiten werden gern genommen?

Gerade Selbstständige stellen sich oft die Frage wie Investitionen finanziert oder benötigte Liquidität generiert werden kann. Hier können Banken Abhilfe schaffen, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Neben der Kapitaldienstfähigkeit, also der Möglichkeit laufende Kredite aus den Erträgen der Firma zurückzuzahlen, spielen Sicherheiten eine Rolle.

Hier wird bei Banken oft von werthaltigen Sicherheiten, wie zum Beispiel Grundschulden, Maschinen, KFZ/LKW oder Warenlagern, gesprochen. Werthaltige Sicherheiten zeichnen sich dadurch aus, dass die Bank im Notfall einen angenommenen Veräußerungserlös erzielen kann, um nicht zurückgezahlte Kredite weitestgehend zu decken.

Info:
Dem gegenüber stehen die nicht werthaltigen Sicherheiten, wie z.B. eine Bürgschaft des Unternehmers.

Investiton und Liquidität

In der Regel unterscheiden Banken zwischen zwei Kreditarten: dem Investitionskredit und dem Betriebsmittelkredit.
Der Investitionskredit zeichnet sich dadurch aus, dass ein bestimmtes Gut, wie eine Maschine oder ein KFZ finanziert werden. Hier lässt sich meist verhältnismäßig einfach berechnen ob eine Investition lohnenswert ist. Der Vorteil bei Investitionskrediten ist, dass eine werthaltige Sicherheit, also das Investitionsobjekt, gleich mitgeliefert werden kann.

Der Betriebsmittelkredit soll dem Unternehmen die notwendige Liquidität zuführen, um den Geschäftsbetrieb weiter aufrecht zu erhalten. Die häufigste Finanzierungsform ist hierbei ein Kontokorrentkredit, der ähnlich aufgebaut ist wie ein Dispositionskredit bei Privatpersonen. Hierüber werden oft Aufträge vorfinanziert, oder lange Zahlungsziele der eigenen Kunden überbrückt.

Info:
In anderen Fällen werden hierüber nicht greifbare Investitionen, wie beispielsweise eine Marketingkampangne, finanziert. Der Nachteil bei Betriebsmittelkrediten ist, dass in der Regel nicht automatisch eine werthaltige Sicherheit mitgeliefert werden kann.

Finanzierung ohne Sicherheit, geht das?

Zu allererst sollten sich die Selbstständigen im Klaren darüber sein, welche Kriterien bei einer Kreditentscheidung eine Rolle spielen. Hier lässt sich eine deutliche Hierarchie ableiten:

  • Unternehmer: Ein Kreditinstitut investiert zu allererst in einen Unternehmer
  • „Jemand der kein Unternehmer ist, wird auch mit einer guten Idee kein Geld verdienen. Ein Unternehmer hingegen wird auch mit schlechten Ideen Geld verdienen“. Für Selbstständige ist es somit unabdingbar, seine eigenen Zahlen zu kennen und die Jahresabschlüsse und unterjährigen Auswertungen zumindest in Grundzügen zu verstehen und interpretieren zu können. Einem Selbstständigen, der nachvollziehbar erklären kann, wie sich sein Vorhaben positiv auf die Firma auswirkt, stehen alle Türen für die Kreditentscheidung offen.

  • Kapitaldienstfähigkeit: Wenn die Ertragskraft ausreichend ist, ist es kein Problem Fremdkapital zu generieren
  • Selbstständige sollten sich bewusst sein, dass die Bank prüfen wird ob Kredite auch zurückgezahlt werden können. Diese Rechnung kann ein Selbstständiger auf Grundlage seiner Auswertung bereits im Vorfeld durchführen.

    Hinweis:
    Wie viel Liquidität ist am Ende des Jahres übrig geblieben? Hierzu kann eine einfache Berechnung auf Grundlage des Jahresabschlusses gemacht werden. Jahresergebnis + gezahlte Zinsen + Abschreibungen (diese sind nur buchhalterisch und nicht liquiditätswirksam) abzgl. der Privatentnahmen ergibt die freie Liquidität. Diese muss hoch genug sein um vorhandene Kredite und den erwünschten neuen Kredit zurückzuzahlen.

  • Sicherheiten: Der entscheidende Pluspunkt?
  • Natürlich möchte eine Bank das Geld das sie verleiht auch zurückbekommen. Je überzeugender die ersten beiden Punkte waren, desto weiter rücken Sicherheiten in den Hintergrund. Die wenigsten Kreditentscheidungen scheitern ausschließlich an vorhanden Sicherheiten. Eine Bereitschaft des Unternehmers vorhandene Sicherheiten bereitzustellen sollte allerdings generell gegeben sein. Denn wenn der Unternehmer nicht an sein Vorhaben glaubt, warum sollte es dann eine Bank tun?

5 Tipps wie eine Bank das Vorhaben auch ohne Sicherheiten finanziert:

1. Das Auftreten

Eine Bank ist ein Geschäftspartner. Weder der Selbstständige, noch die Bank sind Bittsteller. Es geht um ein Geschäft, dass für beide Seiten sinnvoll ist. Somit sollte auch das Kreditgespräch auf Augenhöhe stattfinden. Hierzu gehört auch im Nachgang die wertschätzende Kooperationsbereitschaft.

Info:
Der Prozess der Kreditentscheidung ist in der Regel nicht mit einem Gespräch abgeschlossen, sodass auch im Nachgang Fragen entstehen können oder Unterlagen benötigt werden, die sorgfältig aufbereitet sein sollten.

2. Die Vorbereitung

Der Unternehmer sollte bestmöglich vorbereitet sein, denn die Bank ist es. Hierzu sollte er sich bewusst sein, wie frustrierend es für einen Berater sein kann, wenn er viel Zeit in die Vorbereitung, vor allem mit der Auswertung der betriebswirtschaftlichen Zahlen gesteckt hat, und der Unternehmer einfache Fragen dazu nicht beantworten kann.

Info:
Darüber hinaus sollte der Unternehmer erklären können, warum die Aufnahme eines Kredites für ihn sinnvoll oder notwendig ist. Je konkreter dieses Vorhaben erklärt werden kann, desto einfacher ist es, dieses für die Bank nachzuvollziehen. Eine Bank wird kein Vorhaben finanzieren, dass sie nicht versteht.

3. Plausibilität prüfen

Aussagen, die sich auf die Vergangenheit beziehen, lassen sich in der Regel anhand der Zahlen überprüfen. Wenn das letzte Jahr also nicht gut lief, sollte nicht versucht werden es schön zu reden, sondern erklärt, warum es in Zukunft wieder anders sein wird und was bereits unternommen wurde um die Ertragskraft wieder zu steigern. Ein schlechtes Jahr ist nichts schlimmes, es gibt keine Unternehmen bei denen es durchgängig aufwärts geht.

4. Finanzierungsbedarf überprüfen

Wie viel Geld wird für das Vorhaben benötigt? Gibt es Folgekosten die ebenfalls finanziert werden müssen? Ist der Kapitalbedarf nicht vollends absehbar? Gibt es wirtschaftlich sinnvollere Lösungen?

Info:
Die Klärung solcher Fragen zeichnet unter anderem einen guten Unternehmer aus, dann dann zeigt er, dass er nicht nach der nächstbesten, sondern nach der besten Lösung für sein Unternehmen sucht.

5. Eigene Überzeugung

Ein Unternehmer sollte von sich, seiner Firma und seinem Vorhaben überzeugt sein. Nur so hat er die Möglichkeit auch die Bank zu überzeugen. Vor allem die Überzeugung für das Vorhaben sollte auf fundierten Erkenntnissen einer vorherigen Überprüfung beruhen. Tipps und Vorschläge vom Bankberater sollten von dem Unternehmer trotzdem zumindest überdacht werden. Dies können hilfreiche Einblicke von außen sein, für die man bei Unternehmensberatern sonst viel Geld bezahlt.

Sicherheiten sind sekundär

Die Frage nach den Sicherheiten stellt sich in einem Kreditgespräch immer zu letzt. Auch bei der Entscheidung eines Unternehmers, ob eine Investition sinnvoll ist, oder ob Geschäfte mit Liquiditätsbedarf eingegangen werden, sollte die Frage nach Sicherheiten erstmal keine Rolle spielen. Es sollte also keine Scheu da sein, einen Kredit auch ohne vorhandene Sicherheiten anzufragen. Sollte eine Bank von einem Vorhaben überzeugt sein, das Risiko wird ihr aber ohne adäquate Besicherung zu hoch, gibt es noch Förderbanken, die einen großen Teil des Risikos übernehmen.

Hinweis:
Die Hauptfrage eines Unternehmers nach der Entscheidung einen Kredit aufzunehmen ist also nicht „Welche Sicherheiten habe ich“, sondern „Wie kann ich andere, in diesem Fall die Bank, von meinem Vorhaben überzeugen?“.

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