Variable Zinsanpassung bei Krediten

Der risikofreudige Kreditnehmer wird sich für ein Darlehen mit einem variablen Zinssatz entscheiden. Am Ende spekuliert er mit einem fallenden Leitzinssatz, niedrigeren Monatsraten und hofft auf eine vorzeitige Tilgung der Gesamtschuld. Doch ein variabler Zinssatz kann auch Nachteile mit sich bringen, die keinesfalls außer Acht gelassen werden dürfen.

Inhaltsübersicht:

Schlussendlich können politische Entscheidungen oder Ereignisse dazu führen, dass der Leitzinssatz, an dem sich der variable Zinssatz orientiert, steigt, sodass die monatlichen Kreditraten in die Höhe schnellen.

Variable oder feste Verzinsung?

Entscheidet sich der Konsument für einen Kredit, so wird ihm eine vereinbarte Kreditsumme ausbezahlt, die er – inklusive Zinsen – zurückbezahlen muss. Der Zinssatz, der im Vorfeld vereinbart wird, gilt für die komplette Kreditlaufzeit. Langfristige Kredite, so etwa Immobilienfinanzierungen, werden gerne mit einer festen Zinsbindung angeboten, wobei diese kürzer als die tatsächliche Kreditlaufzeit ist. Ist der Festzinssatz abgelaufen, so kommt es zu neuerlichen Verhandlungen.

Hinweis:
Hat sich der Leitzinssatz verändert, folgt also eine Zinsanpassung – entweder erhält der Kreditnehmer einen niedrigeren oder deutlich höheren Kreditzinssatz. Eine weitere Möglichkeit, die von vielen Kreditnehmern genutzt wird, ist der variable Zins.

Wieso steigt oder fällt der Zinssatz?

Beide Seiten, also Kreditnehmer und Bank, einigen sich auf die automatische Anpassung des Zinssatzes. Die variablen Zinssätze orientieren sich am Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank, an den aktuellen Marktzinsen, übergeordneten Zinssätzen (LIBOR) oder am EURIBOR. Wann eine Zinsanpassung erfolgt, wird im Kreditvertrag festgelegt.

Hinweis:
Die Kreditnehmer und die Banken vereinbaren ein festes Zeitfenster, sodass es – in der Regel – zu einer quartalsweisen Veränderung kommen kann. Jedoch gibt es auch halbjährige Anpassungen. Folgt eine Zinsanpassung, so darf die Bank die Höhe des Zinssatzes aber nicht selbständig festlegen. Das Institut orientiert sich am Marktzins, der von dem Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank bestimmt wird. Zu beachten ist, dass Leitzins und Kreditzins nie dasselbe Niveau haben.

Die Bank darf und muss auch Verwaltungsgebühren oder Risikoprämien einheben, die für einen erhöhten Kreditzinssatz verantwortlich sind. Am Ende spielt jedoch der Leitzinssatz eine entscheidende Rolle – steigt dieser um 1,5 Prozent, so steigt auch der Kreditzinssatz um 1,5 Prozent. Fällt der Leitzinssatz um 2,0 Prozent, so fällt auch der Kreditzinssatz um 2,0 Prozent. Doch nicht immer sind die Zinsen an den Leitzinssatz gekoppelt – mitunter spielt auch der EURIBOR eine wesentliche Rolle.

Hinweis:
Der EURIBOR beschreibt nämlich jenen Zinssatz, der von den Geschäftsbanken genutzt wird, wenn sich diese untereinander Geld leihen. Der EURIBOR mag zwar dem Leitzinssatz ähneln, präsentiert aber einen besseren Einblick, wie hoch die Kosten der Banken sind. Zu beachten ist, dass sich der EURIBOR täglich verändern kann, sodass Schwankungen jederzeit möglich sind. Der Leitzinssatz wird jedoch nur alle drei Monate angepasst.

Wer sollte sich für einen variablen Zinssatz entscheiden?

Pauschal kann keinesfalls gesagt werden, ob sich der Kreditnehmer für einen variablen oder festen Zinssatz entscheiden soll. So gibt es mehrere Vor- und auch Nachteile, die im Vorfeld berücksichtigt werden müssen. Da eine Anpassung in beide Richtungen erfolgen kann, besteht somit zwar die Wahrscheinlichkeit, dass der Kreditnehmer profitiert, mitunter kann die monatliche Rate aber auch in die Höhe schnellen.

Fällt der Leitzinssatz, so wird der Kredit deutlich günstiger. In diesem Fall profitiert der Kreditnehmer, sofern er sich für einen variablen Zinssatz entschieden hat. Steigt der Zinssatz jedoch, so muss der Kreditnehmer mit Mehrkosten rechnen. Hier profitiert der Kreditnehmer, der einen fixen Zinssatz gewählt hat. Wer sich also unsicher ist, ob der Leitzinssatz steigt, sollte sich für eine langfristige Zinsbindung entscheiden.

Hinweis:
Möchte der Kreditnehmer jedoch Sonderzahlungen leisten oder mitunter eine Tilgung vor dem regulären Laufzeitende durchführen, so ist es vermutlich besser, wenn er sich für einen variablen Zinssatz entscheidet. In diesem Fall muss er nämlich keine Vorfälligkeitsentschädigung bezahlen. Diese „Strafzahlung“ ist nur zu leisten, wenn der Kreditnehmer einen fixen Zinssatz gewählt hat. Am Ende ist natürlich Weitblick gefragt und etwas Glück notwendig, wenn man sich für eine variable Verzinsung entscheidet.

Das Fazit

Eine variable Verzinsung ist natürlich riskant – für die Kreditnehmer und natürlich auch für die Banken. Da die Marktzinsen stark schwanken können, besteht jederzeit die Möglichkeit, dass sich auch die Kreditzinsen verändern. Wer sich also für einen variablen Zinssatz entscheidet, der muss sich auch bewusst sein, dass die monatlichen Kreditraten in die Höhe schnellen können.

Hinweis:
Derartige Mehrkosten müssen im Vorfeld in die Planung miteinfließen, sodass die etwaigen Zinsanpassungen nicht zu finanziellen Problemen führen.

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